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 von [[Pietro Andrea Mattioli]] aus dem Jahr 1590, das [[Joachim Camerarius der Jüngere]] bearbeitet und übersetzt hat. Er schreibt dort auf Seite 262: ?Anno 1584 haben wir allhie Blumen gehabt?. Seit diesem Jahr war also die Sonnenblume in deutschen und europäischen Gärten bekannt. Das bestätigt die Angabe von Camerarius im ''Hortus Medicus'' aus dem Jahr 1588, Seite 61 über ?Chrysanthemum Peruvianum?: ''Nostris hortis iam familiaris planta'' (dt: ?Ist in unseren Gärten schon bekannt?).

Ursprung des Namens

Der botanische Gattungsname ''Helianthus'', leitet sich von den griechischen Wörtern ''helios'' für ?Sonne? und ''anthos'' für ?Blume?ab. Der Name stammt aus der (''Heliotropium'').

Das Artepitheton ''annuus'' leitet sich von der Bezeichnung für ?jährlich? ab und bezieht sich auf die einjährige Vegetationsphase.

Anbau

Voraussetzung zum erfolgreichen Anbau zu Nutzzwecken ist ein tiefgründiger, humus- und nährstoffreicher Boden (insbesondere Kalium und Bor, Stickstoffdüngung ca. 100?kg N/ha) mit ausreichender Wasserversorgung (Wasserbedarf 400 bis 500?ml) und einer Wärmesumme während der Vegetationszeit der Sonnenblume von April bis September von mindestens 14?°C (bezogen auf eine Bezugstemperatur von 6?°C, wenigstens jedoch 5?°C). Die Aussaat erfolgt bei 7 bis 8?°C Bodentemperatur Anfang April mit einem Reihenabstand von 75?cm und einem Abstand in der Reihe von 45?cm. Zwecks Anschluss an das Kapillarwasser des Bodens und zur Gewährleistung eines sicheren Auflaufes ist eine Saattiefe von 4 bis 6?cm anzustreben. Bei einer Saatdichte von 6?bis 7 Pflanzen/Quadratmeter wachsen dann pro Hektar 60.000 bis 70.000 Sonnenblumen. Eine Unkrautbekämpfung ist bis zum Reihenschluss angezeigt, danach ist sie aufgrund hoher Konkurrenzkraft der Sonnenblumen entbehrlich. Der Bestand ist erntereif, sobald die Kornfeuchte zwischen 12 und 18 % liegt. Äußerlich sichtbare Zeichen der Erntefähigkeit sind abgestorbene Blätter und gelb gefärbte Korbunterseiten. Die Ernte erfolgt mit auf die speziellen Anforderungen des Sonnenblumendrusches umgerüsteten Mähdreschern.<ref name="Heyland">Klaus-Ulrich Heyland (Herausgeber), Spezieller Pflanzenbau, 7. Auflage, Ulmer, Stuttgart, 1952, 1996, ISBN 3-8001-1080-6, S. 114 ff., 309.</ref>

Wirtschaftliche Bedeutung

Laut der FAO wurden im Jahr 2017 weltweit etwa 47,9 Millionen Tonnen Sonnenblumenkerne geerntet. Die zehn größten Produzenten brachten 84,1 % der Welternte ein.<ref name="faostat" /> In der Schweiz wurden 2018 auf einer Fläche von 5.386 Hektar Sonnenblumen angebaut, was einem Wachstum von 2,4 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.

{| class="wikitable zebra" style="text-align:right"
|+ Größte Produzenten von Sonnenblumenkernen (2017)<ref name="faostat"></ref>
|-
! Rang
! Land
! Menge
(in t)
|-
| 1 || style="text-align:left" | || 12.235.520
|-
| 2 || style="text-align:left" | || 10.481.188
|-
| 3 || style="text-align:left" | || 3.546.707
|-
| 4 || style="text-align:left" | || 2.912.740
|-
| 5 || style="text-align:left" | || 2.579.635
|-
| 6 || style="text-align:left" | || 2.056.987
|-
| 7 || style="text-align:left" | || 1.964.385
|-
| 8 || style="text-align:left" | || 1.892.509
|-
| 9 || style="text-align:left" | || 1.620.000
|-
| 10 || style="text-align:left" | || 983.720
|-
| || style="text-align:left" | '''Welt''' || '''47.863.075'''
|}

Nutzung

Sonnenblumenkerne

Ab dem 17.?Jahrhundert verwendete man die Kerne für Backwaren oder geröstet als Ersatz für Kaffee und Trinkschokolade. In Russland und auf dem Balkan werden geröstete Sonnenblumenkerne als sogenannte ?Semetschki? gegessen. Ein ähnliches Produkt, die ?pipas de girasol?, ist in Spanien sehr beliebt und in der Türkei ist das Produkt unter dem Namen ?Çekirdek? bekannt. Die gerösteten Sonnenblumenkerne sind abgepackt in Tüten zu kaufen und werden unterwegs zerbissen und gegessen, die Schalen werden ausgespuckt.

Sonnenblumenkerne werden auch zur Keimung verwendet und entfalten dabei umso mehr ihre Inhaltsstoffe. Daneben spielt die Verwendung als Vogelfutter eine große Rolle. Hauptanbauländer waren 2017 die Ukraine, Russland und Argentinien.

Vielfach werden Sonnenblumenkerne in gerösteter, geschälter Form in Back- und Süßwaren verarbeitet und sind Bestandteil vieler Müslimischungen.

Durchschnittliche Zusammensetzung

Die Zusammensetzung von Sonnenblumenkernen schwankt naturgemäß, sowohl in Abhängigkeit von den Umweltbedingungen (Boden, Klima) als auch von der Anbautechnik (Düngung, Pflanzenschutz).

Angaben je 100 g reifer, getrockneter Sonnenblumensamen:<ref name="Souci"></ref>

{|
|- style="vertical-align:top"
|{| class="wikitable"
|- class="hintergrundfarbe5"
! width="60%"|Bestandteile!! width="40%" |
|-
| Wasser ||style="text-align:right"|6,6?g
|-
| Eiweiß# ||style="text-align:right"|22,5?g
|-
| Fett ||style="text-align:right"|49,0?g
|-
| Kohlenhydrate ||style="text-align:right"|12,3?g*
|-
| Ballaststoffe ||style="text-align:right"|6,3?g
|-
|}
|{| class="wikitable"
|- class="hintergrundfarbe5"
! width="60%"|Mineralstoffe!!width="40%" |
|-
| Natrium ||style="text-align:right"|2?mg
|-
| Kalium ||style="text-align:right"|725?mg
|-
| Magnesium ||style="text-align:right"|420?mg
|-
| Calcium ||style="text-align:right"|100?mg
|-
| Mangan ||style="text-align:right"|2,8?mg
|-
| Eisen ||style="text-align:right"|6,3?mg
|-
| Kupfer ||style="text-align:right"|1,7?mg
|-
| Zink ||style="text-align:right"|5,6?mg
|-
| Phosphor ||style="text-align:right"|620?mg
|-
|}
|{| class="wikitable"
|- class="hintergrundfarbe5"
! width="60%"|Vitamine!!width="40%" |
|-
| Thiamin (Vit. B1) ||style="text-align:right"|1900?µg
|-
| Riboflavin (Vit. B2) ||style="text-align:right"|140?µg
|-
| Nicotinsäure (Vit. B3) ||style="text-align:right"|4100?µg
|-
| Vitamin B<sub>6</sub> ||style="text-align:right"|605?µg
|-
| Vitamin C ||style="text-align:right"|0?µg
|-
|}
|

{| class="wikitable"
|- class="hintergrundfarbe5"
! width="70%"|Essentielle und semi-essentielle Aminosäuren!!width="30%" |
|-
| Arginin1 ||style="text-align:right"|2200?mg
|-
| Histidin1 ||style="text-align:right"|630?mg
|-
| Isoleucin ||style="text-align:right"|1370?mg
|-
| Leucin ||style="text-align:right"|1710?mg
|-
| Lysin ||style="text-align:right"|890?mg
|-
| Methionin ||style="text-align:right"|490?mg
|-
| Phenylalanin ||style="text-align:right"|1260?mg
|-
| Threonin ||style="text-align:right"|910?mg
|-
| Tryptophan ||style="text-align:right"|310?mg
|-
| Tyrosin ||style="text-align:right"|650?mg
|-
| Valin ||style="text-align:right"|1260?mg
|-
|}
|}
# Eiweißgehalt nach der EU-Richtlininie zur Nährwertkennzeichnung (Faktor:6,25): 26,5 g

* Differenzberechnung

1 semi-essentiell

1?mg = 1000?µg

Der physiologische Brennwert beträgt 2405 kJ, entsprechend 580 kcal je 100 g essbarem Anteil.

Sonnenblumenkernmehl

Ein aus Sonnenblumenkernen gewonnenes, meist entfettetes und eiweißreiches Mehl wird für Anreicherungszwecke in der Lebensmittelindustrie, vornehmlich in der Backwarenproduktion, verwendet. Es besitzt einen nussartigen Geschmack.<ref name="ternes"></ref>

Sonnenblumenöl

Erst seit dem 19.?Jahrhundert wird die Sonnenblume auch als Ölpflanze genutzt.
Das Sonnenblumenöl ist wertvoll für die menschliche Ernährung, sollte aber wegen des hohen Gehalts an mehrfach ungesättigten Fettsäuren nicht als Frittieröl verwendet werden (mit Ausnahme der high-oleic-Varianten). Bei landwirtschaftlich genutzten Sonnenblumen liegt der Ölgehalt der Frucht zwischen 48 und 52 %. Sonnenblumenöl, gepresst aus den Samen, wird zum Kochen verwendet. Unraffiniertes Öl, wie es in osteuropäischen Ländern häufiger anzutreffen ist, weist im Gegensatz zu raffiniertem Öl einen starken Eigengeschmack auf und eignet sich daher besonders als Geschmacksträger für die Zubereitung von warmen Speisen und Salaten. Raffiniertes Öl kann in Schmieröl, Treibstoffen und Weichmachern verwendet werden. Die Pressrückstände bzw. das entfettete Mehl können als Viehfutter dienen.

Neben der Verwendung als Speiseöl wird Sonnenblumenöl auch in Pharmazie und Medizin sowie für industrielle Verwendungen eingesetzt. In der Pharmazie stellt das Öl ein Füllmaterial in Weichgelatinekapseln dar, daneben wird es für Salben und Cremes verwendet und kann Olivenöl oder Erdnussöl in Medizinprodukten ersetzen. Traditionell angewendet wird Sonnenblumenöl bei Verstopfung sowie äußerlich zur Wundbehandlung und bei Rheuma.<ref name="Krist" />

Industriell wird Sonnenblumenöl für Farben und Lacke verwendet, zudem ist es in Öl- und Künstlerfarben enthalten. Auch in der Lederbearbeitung und in der Tuchfabrikation (Konservierungsmittel) wird es eingesetzt.<ref name="Krist">S. Krist, G. Buchbauer und C. Klausberger: ''Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle.'' Springer Verlag, Wien 2008, S.?434?441, ISBN 978-3-211-75606-5.</ref> Als hergestellt wird.

Sonnenblumenstroh

Als Sonnenblumenstroh werden die Stängel bezeichnet, die nach der Ernte als Ernterückstände verbleiben.
Bei der Sonnenblume beträgt das Korn-Stroh-Verhältnis etwa 1:4,1, sodass bei einem mittleren Kornertrag von etwa 2,5?t pro?ha und Jahr theoretisch 10?t Ernterückstände in Form von Stroh an dem Feld zurückbleiben. Es ist anzunehmen, dass die , Hans Hartmann, Hermann Hofbauer (Hrsg.): ''Energie aus Biomasse. Grundlagen, Techniken und Verfahren.'' Springer Verlag, Berlin und Heidelberg 2009; S.?153. ISBN 978-3-540-85094-6.</ref>

Eine Nutzung von Sonnenblumenstroh erfolgt aufgrund des sehr hohen Wassergehaltes der dicken Stängel sowie des sehr hohen Aschegehalts von 10 % und anderer für die Verbrennung nachteiliger Eigenschaften in der Regel nicht. Es hat einen Brennwert von 16,9?MJ/kg.<ref name="Kaltschmidt_Brennwert">Martin Kaltschmitt, Hans Hartmann und Hermann Hofbauer (Hrsg.): ''Energie aus Biomasse. Grundlagen, Techniken und Verfahren.'' Springer Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-540-85094-6, 2. Auflage, S.?360.</ref>

In der Tiefebene Ungarns werden aus den Stängeln Querflöten und andere Flöten hergestellt.

Sonnenblumensprossen

In vielen Ländern, i.?B. in Asien, werden Sonnenblumensprossen wie Gemüse gegessen.

Nachgesagte Wirkung

In der russischen und ukrainischen Volksmedizin wird Sonnenblumenöl für Ölkuren verwendet. Bei der auch als Ölziehen bezeichneten Praktik soll der Organismus entgiftet und entschlackt werden. Hinweise auf eine Wirkung gibt es allerdings nicht.

Sorten

Die Sonnenblumen-Sorten lassen sich in vier Typen unterteilen:
  • Der ''Öltyp'' weist besonders viele Röhrenblüten auf. Die Sonnenblumenkerne besitzen einen sehr geringen Schalenanteil. Für einen Liter Öl werden die Kerne von rund 60 Sonnenblumen benötigt.
  • Der ''Futtertyp'' bildet besonders viel Blattsubstanz aus. Er findet Verwendung als Grünfutterpflanze und zur Silagegewinnung sowie im Stoppelfruchtanbau zur Gründüngung.
  • Der ''Ziertyp'' wächst in Gärten und besitzt oft mehrere Blütenstände pro Pflanze.
  • Der ''Speisetyp'' zeichnet sich durch große und locker sitzende Kerne aus. Zu erwähnen sind auch neue transgene Sorten, die gegen einige Krankheiten immun sind.
Zwergsorten erreichen Wuchshöhen bis zu 70?cm. Sie sind standfester als die meterhoch wachsenden Sonnenblumensorten und bieten sich für Balkonkästen an. Zu den Sorten gehören:
  • 'Sunspot', die goldgelb blüht und 40 bis 60?cm hoch wird und
  • 'Double Dandy', die halbgefüllte, pollenfreie rote Blüten hat und etwa 60?cm hoch wird.
Hochwachsende Sorten sind:
  • 'Ring of Fire', bis zu 120?cm hoch, rot-gelb geflammte Blütenblätter;
  • 'Sunrich Orange', bis zu 170?cm hoch, orange Blüten;
  • 'Titan', bis zu 3,50?m hoch, leuchtend gelbe Blüten;
  • 'King Kong', bis über 4?m hoch mit großen Blüten.

Sonnenblumen in der bildenden Kunst

Die Sonnenblume ist ein häufig gebräuchliches , Fünfzehn Sonnenblumen ....

<gallery class="center" mode="packed" heights="140" caption="Bilder der Sonnenblume in einer Vase von Vincent van Gogh">
Datei:Van Gogh Vase with Three Sunflowers.jpg|''Drei Sonnenblumen''
Datei:Van Gogh Vase with Six Sunflowers.jpg|''Fünf Sonnenblumen''
Datei:Vincent_Willem_van_Gogh_128.jpg|''Zwölf Sonnenblumen in einer Vase''
Datei:Vincent Willem van Gogh 127.jpg|''Fünfzehn Sonnenblumen''
Datei:Van Gogh Twelve Sunflowers.jpg|''Zwölf Sonnenblumen''
Datei:Van Gogh Vase with Fifteen Sunflowers.jpg|''Fünfzehn Sonnenblumen''
Datei:Van Gogh Vase with Fifteen Sunflowers Amsterdam.jpg|''Fünfzehn Sonnenblumen''
</gallery>

Symbolisches

Literatur

  • S. Krist, G. Buchbauer, C. Klausberger: ''Lexikon der pflanzlichen Fette und Öle.'' Springer Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-211-75606-5, S.?434?441.
  • Atlant Bieri: ''Zweimal gehegt, stets gepflegt.'' Neue Zürcher Zeitung NZZ am Sonntag, Zürich, 25.?Mai 2008, S.?84.
  • Walter Schuster: ''Die Züchtung der Sonnenblume.'' 1993, ISBN 3-489-53310-0.
  • Henning Haeupler, Thomas Muer: ''Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands'' (= ''Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands.'' Band 2). 2., korrigierte und erweiterte Auflage. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Ulmer, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8001-4990-2.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: ''Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait.'' 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Weblinks

Einzelnachweise

<references>
<ref name="GRIN">

</ref>
<ref name="Oberdorfer2001">
</ref>
<ref name="FoNA">
Edward E. Schilling: ''Helianthus Linnaeus.'' ''Helianthus annuus'' - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): ''Flora of North America North of Mexico'', Volume 21 ? ''Magnoliophyta: Asteridae (in part): Asteraceae, part 3'', Oxford University Press, New York und Oxford, 2006, ISBN 0-19-530565-5.
</ref>
</references>